Datenrettung von einer Festplatte – womit Sie rechnen müssen
Die Kosten einer Datenrettung lassen sich vorab nur grob abschätzen. Was eine Rettung tatsächlich kostet, hängt vom Datenträger, vom Schaden und vom gewünschten Tempo ab – und steht erst fest, wenn der Datenträger im Labor untersucht wurde. Die folgende Übersicht soll Ihnen helfen, Angebote einzuordnen.Preisrahmen zur Orientierung
| Fall | Preisrahmen (ca., je nach Schaden) |
|---|---|
| Diagnose (Standard) | bei vielen Anbietern kostenlos; Express-Diagnose und Sonderfälle kostenpflichtig |
| Festplatte, logischer Schaden (gelöscht, formatiert, Dateisystem beschädigt) | ca. 150 bis 800 € |
| Festplatte, physikalischer Schaden (Kopfschaden, Sturz, Motor, Elektronik) | ca. 500 bis 2.500 € |
| SSD, NVMe, USB-Stick, Speicherkarte | stark abhängig vom Controller, oft höher als bei Festplatten |
| RAID-System, NAS, Server | meist ab ca. 1.000 €, nach oben offen |
| Smartphone | nur nach Diagnose, stark modellabhängig |
Diese Faktoren beeinflussen die Kosten
Art des Defekts
Der wichtigste Faktor. Grob unterscheiden Datenretter zwei Arten von Schäden:
Physikalischer Defekt
Handelt es sich um einen physischen Defekt (Klicken, Klacken, Schleifen, die Platte läuft nicht an), sind die Kosten höher: Die Festplatte muss im Reinraum geöffnet und mit passenden Ersatzteilen instand gesetzt werden, bevor die Daten ausgelesen werden können. Ein physikalischer Schaden entsteht beispielsweise durch
- einen Stoß oder Sturz im laufenden Betrieb, etwa wenn die externe Festplatte vom Tisch fällt
- Verschleiß
- Überspannung oder ein falsches Netzteil
- Überhitzung
- Flüssigkeiten, die in das Gerät laufen
- Brandschäden
Logischer Defekt
Bei einem logischen Defekt ist die Hardware intakt. Der Datenretter kann die Festplatte geschlossen lassen und mit Spezialsoftware auslesen. Ein logischer Defekt entsteht beispielsweise durch
- versehentliches Löschen oder Formatieren
- Beschädigungen am Dateisystem
- Schadsoftware, etwa Verschlüsselungstrojaner
- Beschädigungen der Partitionstabelle
Sind die Daten nicht allzu wichtig, können Sie bei einer Festplatte unserer Anleitung zum selbstständigen Auslesen einer Festplatte folgen.
Art des Speichers
Eine einzelne Festplatte ist der Standardfall. Ist sie Teil eines RAID-Verbunds oder eines NAS, steigen Aufwand und Kosten, weil mehrere Datenträger gesichert und anschließend wieder zusammengesetzt werden müssen. Auch SSDs, USB-Sticks, Speicherkarten und Smartphones sind meist aufwendiger als eine Festplatte (siehe unten).
Der Zustand des Datenträgers
Wurde die Festplatte bereits geöffnet, um nach der Ursache für Klickgeräusche zu suchen, haben sich oft Staub und Fingerabdrücke auf den Magnetscheiben abgesetzt. Der Aufwand steigt, und manche Datenretter berechnen dafür einen Aufpreis. Auch wiederholte Rettungsversuche mit Software können einen Schaden vergrößern.
Die Kapazität
Je größer der Datenträger, desto länger dauert das vollständige Auslesen – bei einer beschädigten Festplatte mit mehreren Terabyte kann das viele Tage in Anspruch nehmen. Außerdem muss der Zieldatenträger für die geretteten Daten entsprechend groß sein. Manche Anbieter staffeln ihre Preise nach Kapazität, andere arbeiten mit Pauschalen.
Privat oder geschäftlich
Viele Anbieter haben getrennte Tarife für Privat- und Geschäftskunden. Geschäftskunden erhalten Preise oft netto, und für personenbezogene Daten kommen Anforderungen wie ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung hinzu.
Schnellerer Service
Brauchen Sie die Daten innerhalb von ein bis zwei Tagen, oder reicht Ihnen ein Standard-Service von einigen Tagen bis wenigen Wochen? Express- und Notfalldienste mit Bearbeitung rund um die Uhr kosten deutlich mehr. Ist es nicht eilig, sparen Sie mit dem Standard-Service.
SSD und NVMe: warum es oft teurer wird
SSDs haben keine beweglichen Teile, deshalb fehlen die typischen Warnzeichen wie Klackern. Fällt der Controller oder die Firmware aus, ist die SSD meist von einem Moment auf den anderen nicht mehr erreichbar oder meldet sich mit falscher Größe oder einem fremden Namen. Für die Rettung braucht das Labor Werkzeuge für genau diesen Controller-Typ. Die Daten sind über viele Speicherchips verteilt und werden vom Controller häufig intern verschlüsselt, sodass ein einfaches Auslesen der Chips oft nicht genügt. Entsprechend schwankt der Aufwand stark, und nicht jede SSD lässt sich retten.Wichtig bei gelöschten Dateien: Moderne Betriebssysteme teilen der SSD per TRIM mit, welche Bereiche frei geworden sind. Die SSD leert diese Bereiche dann selbstständig, häufig schon nach kurzer Zeit. Gelöschte Dateien auf einer SSD sind deshalb oft auch für ein Labor nicht mehr wiederherstellbar. In vielen aktuellen Notebooks ist die SSD zudem fest auf der Hauptplatine verlötet und an deren Verschlüsselung gebunden; dann lässt sich in der Regel nur über eine Reparatur der Platine an die Daten kommen.
Smartphones
Aktuelle Smartphones verschlüsseln ihren Speicher standardmäßig, bei Android ist das für Geräte ab Android 10 vorgeschrieben, bei iPhones seit vielen Jahren üblich. Eine Datenrettung gelingt deshalb meist nur, wenn das Gerät selbst wieder zum Laufen gebracht werden kann, und nur mit Ihrer PIN. Der Preis hängt stark vom Modell und vom Schaden ab und steht erst nach der Diagnose fest. Prüfen Sie vorher, ob Fotos und Kontakte nicht ohnehin in einem Cloud-Backup liegen.So halten Sie die Kosten niedrig
- Schalten Sie das Gerät bei Geräuschen sofort ab und unternehmen Sie keine eigenen Versuche.
- Öffnen Sie keine Festplatte außerhalb eines Reinraums.
- Holen Sie mehrere Angebote ein, wenn es nicht eilt, und wählen Sie den Standard- statt des Express-Service.
- Nennen Sie konkret, welche Ordner und Dateien wichtig sind. Das erleichtert Diagnose und Angebot.
- Sichern Sie Ihre Daten künftig nach der 3-2-1-Regel: drei Kopien, zwei verschiedene Speichermedien, eine Kopie an einem anderen Ort. Ein Backup ist immer günstiger als eine Datenrettung.
Stand: Oktober 2026. Alle Preise ohne Gewähr; maßgeblich ist das Angebot des jeweiligen Anbieters nach der Diagnose.

