Kann ein Programm meine Daten retten?

Ein Datenrettungsprogramm durchsucht einen Datenträger nach Dateien, die zwar nicht mehr sichtbar, aber noch vorhanden sind. Das klappt, wenn der Datenträger technisch in Ordnung ist und nur die Verwaltung der Daten gestört ist – man spricht von einem logischen Schaden. Typische Fälle:

  • Dateien versehentlich gelöscht oder den Papierkorb geleert
  • Laufwerk oder Speicherkarte versehentlich formatiert
  • Partition gelöscht oder Partitionstabelle beschädigt
  • Laufwerk wird als „RAW“ angezeigt oder soll formatiert werden
  • Dateien durch Absturz, Stromausfall oder Schadsoftware beschädigt

Bei einem physischen Schaden hilft dagegen kein Programm. Klackert, schleift oder piept die Festplatte, wird sie nicht mehr erkannt, ist sie heruntergefallen oder nass geworden, sollten Sie das Gerät sofort ausschalten und nicht weiter damit arbeiten. Jeder weitere Startversuch kann die Magnetscheiben zerkratzen und eine spätere Rettung im Labor erschweren oder unmöglich machen. In diesem Fall ist ein professioneller Datenretter die richtige Adresse.

Sonderfall SSD: Nach dem Löschen ist es oft zu spät

Bei SSDs, NVMe-Laufwerken und vielen modernen Notebooks sieht es anders aus als bei klassischen Festplatten. Windows, macOS und Linux teilen der SSD über den Befehl TRIM mit, welche Speicherbereiche nicht mehr benötigt werden. Die SSD löscht diese Bereiche anschließend selbstständig im Hintergrund. Gelöschte Dateien sind dann meist schon nach kurzer Zeit tatsächlich weg – und kein Datenrettungsprogramm kann sie zurückholen.

Software hat bei SSDs daher vor allem dann eine Chance, wenn TRIM nicht greift, etwa bei manchen externen SSDs am USB-Anschluss, oder wenn nicht gelöscht, sondern nur eine Partition oder das Dateisystem beschädigt wurde. Wurde eine Datei auf einer internen SSD gelöscht, ist eine Rettung per Software in den meisten Fällen aussichtslos. Umso wichtiger ist ein regelmäßiges Backup.

Die wichtigsten Regeln vor dem ersten Scan

  • Nichts mehr auf den betroffenen Datenträger schreiben. Jede neue Datei kann die gelöschten Daten überschreiben.
  • Das Datenrettungsprogramm nie auf dem betroffenen Laufwerk installieren und gerettete Dateien nie dorthin speichern. Nutzen Sie einen anderen Rechner, ein anderes Laufwerk oder einen USB-Stick.
  • Bei wichtigen Daten zuerst eine 1:1-Kopie (Image) anlegen und nur mit der Kopie arbeiten. Wie das geht, zeigt unsere Anleitung zum Auslesen einer defekten Festplatte.
  • Keine Reparaturversuche mit chkdsk, Formatieren oder „Reparieren“-Dialogen, bevor die Daten gesichert sind. Diese Werkzeuge verändern das Dateisystem.
  • Bei Geräuschen, Sturz- oder Wasserschäden sofort aufhören und ein Labor kontaktieren.

Kostenlos oder kostenpflichtig?

Ob ein kostenloses Programm reicht, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für einfache Fälle wie eine versehentlich gelöschte Datei auf einer Festplatte oder Speicherkarte gibt es gute, wirklich kostenlose Werkzeuge. Eine Übersicht finden Sie auf unserer Seite Datenrettung Freeware.

Kostenpflichtige Programme bieten meist eine einfachere Oberfläche, eine bessere Vorschau der gefundenen Dateien, Unterstützung für mehr Dateisysteme oder RAID-Verbünde und einen Hersteller-Support. Wenn es schnell gehen muss oder Sie sich mit Befehlszeilenwerkzeugen nicht wohlfühlen, kann sich der Kauf lohnen. Welche Programme wir in diesem Bereich kennen, lesen Sie unter Datenrettungssoftware.

Erst testen, dann kaufen

Viele Hersteller bieten ihre Programme zunächst kostenlos zum Download an. Damit können Sie einen Scan durchführen und sehen, welche Dateien gefunden werden. Für die eigentliche Wiederherstellung muss das Programm dann meist gekauft werden, oder die kostenlose Version ist auf eine bestimmte Datenmenge begrenzt.

Dieses Prinzip ist für Sie von Vorteil: Sie zahlen erst, wenn Sie wissen, dass das Programm Ihre Dateien findet. Achten Sie in der Vorschau darauf, ob sich die gefundenen Dateien tatsächlich öffnen lassen – ein Dateiname in der Liste allein heißt noch nicht, dass die Datei unbeschädigt ist. Prüfen Sie außerdem vor dem Download, welche Einschränkungen die kostenlose Version hat und ob das Programm als Jahresabo oder als Dauerlizenz verkauft wird.

Ein Scan kann bei großen Festplatten viele Stunden dauern. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern, sofern die Festplatte dabei keine ungewöhnlichen Geräusche macht und der Fortschritt weiterläuft. Bleibt der Scan an einer Stelle hängen oder wird das Laufwerk immer wieder getrennt, deutet das auf einen physischen Schaden hin. Brechen Sie dann ab.

Woran Sie ein gutes Datenrettungsprogramm erkennen

Bei Datenrettungsprogrammen kommt es vor allem auf diese Punkte an:

1
Die Erfolgsquote

Findet das Programm die gesuchten Dateien, und lassen sie sich nach der Wiederherstellung fehlerfrei öffnen? Die Vorschau der Testversion gibt darauf einen ersten Hinweis.

2
Die Kompatibilität

Läuft das Programm unter Ihrem Betriebssystem (aktuell meist Windows 10 und 11 bzw. ein aktuelles macOS)? Unterstützt es das Dateisystem des Datenträgers, also etwa NTFS, exFAT, FAT32, APFS, HFS+ oder ext4? Und kommt es mit Ihrem Datenträger zurecht, ob USB-Stick, Speicherkarte, Festplatte mit mehreren Terabyte oder RAID?

3
Image-Funktion und schonender Umgang

Gute Programme können zuerst ein Abbild des Datenträgers erstellen und den Scan anschließend auf dem Abbild ausführen. Das schont einen angeschlagenen Datenträger, weil er nur einmal vollständig gelesen wird.

4
Die Oberfläche und die Lizenz

Ist die Oberfläche verständlich, oder brauchen Sie Handbücher und Anleitungsvideos? Und passt das Lizenzmodell: Jahresabo oder Dauerlizenz, für wie viele Geräte, nur privat oder auch gewerblich?



Bewertungen richtig lesen

Bewertungen anderer Nutzer helfen bei der Auswahl, sollten aber mit Bedacht gelesen werden. Bei Datenrettungsprogrammen schreiben besonders häufig Menschen eine Bewertung, bei denen die Rettung nicht geklappt hat. Der Grund liegt aber nicht immer beim Programm: Vielleicht waren die Daten bereits überschrieben, die SSD hatte die gelöschten Bereiche per TRIM schon geleert, oder die Festplatte hatte einen mechanischen Defekt, den keine Software beheben kann. Und ein Scan, der lange dauert, ist bei einer Festplatte mit mehreren Terabyte normal.

Achten Sie deshalb darauf, ob die beschriebene Ausgangslage zu Ihrer passt. Wenn bemängelt wird, dass ein bestimmtes RAID-System nicht unterstützt wird, Sie aber nur eine USB-Festplatte auslesen möchten, ist diese Kritik für Sie wenig aussagekräftig. Beachten Sie außerdem das Datum: Bewertungen alter Programmversionen oder längst nicht mehr unterstützter Betriebssysteme sagen über die aktuelle Version wenig aus.

Kein Programm rettet alles

Ein perfektes Datenrettungsprogramm gibt es nicht. Jedes Programm erkennt Dateitypen und Dateisysteme unterschiedlich gut, und bei überschriebenen Daten oder physischen Schäden stoßen alle an Grenzen. Findet ein Programm nichts, kann ein zweites Programm mit einer anderen Suchmethode trotzdem noch Treffer liefern – sofern Sie bis dahin nichts auf den Datenträger geschrieben haben.

Sind die Daten sehr wichtig, etwa Geschäftsunterlagen oder die einzigen Kopien von Familienfotos, sollten Sie die Risiken eigener Rettungsversuche abwägen. Ein Labor kann in vielen Fällen mehr retten, wenn vorher nicht schon an dem Datenträger gearbeitet wurde. Was eine professionelle Datenrettung kostet, lesen Sie auf unserer Seite Kosten der Datenrettung.